High-Protein-Produkte: wann lohnen sie sich?

High-Protein-Trend: Ist der Wirbel um die Produkte berechtigt? High-Protein-Trend: Ist der Wirbel um die Produkte berechtigt?

Von «High Protein» über «reich an Protein» bis hin zu «Proteinquelle». Damit bewerben Hersteller nicht nur die klassischen Proteinriegel – denn verkaufstechnisch lohnt sich das. Doch bieten die Produkte tatsächlich einen Mehrwert für unsere Gesundheit?

Was heisst High Protein?

Der High-Protein-Stempel darf von Produkten mit einem Proteinanteil von mindestens 20% des gesamten Brennwerts getragen werden – bei der Kennzeichnung «Proteinquelle» liegt die Schwelle schon bei 12% des gesamten Energiewerts. Was bedeutet das? Herkömmlicher Hüttenkäse kann zum Beispiel aufgrund seines Proteingehalts als High-Protein-Produkt vermarktet werden. Viele Hersteller nutzen diese Möglichkeit aus. Die Folge: Das ansprechend verpackte Produkt wird teurer verkauft – der Inhalt bleibt jedoch derselbe.

Was sind Proteine?

Neben Kohlenhydraten und Fetten sind Proteine, auch Eiweiss genannt, einer der 3 wichtigsten Nährstoffe für unseren Körper. Bausteine von Proteinen sind Aminosäuren.

Empfohlene Menge

Die tägliche, empfohlene Menge an Proteine beträgt für einen gesunden Erwachsenen circa 0,8g pro Kilogramm Körpergewicht. Mithilfe eines Proteinrechners kann der individuelle Eiweissbedarf bestimmt werden.

Erhöhter Tagesbedarf

Kinder, Jugendliche, Schwangere, sportlich Aktive und Erwachsene ab einem Alter von 65 haben einen erhöhten Bedarf an Proteinen. Der Richtwert bewegt sich in diesem Fall je nach Intensität zwischen 1g und 2g pro Kilogramm Körpergewicht.

Ob High-Protein-Produkte sinnvoll sind, hängt davon ab, wer sie kon­sumiert und aus welchem Grund.

Natürliche Proteinquellen

Viele tierische Produkte wie beispielsweise Milch- und Milchprodukte wie Käse, Eier, Fleisch und Fisch sind gute natürliche Proteinquellen. Aber auch mit pflanzlichen Produkten wie Hülsenfrüchte, Nüsse oder Getreide ist man gut bedient. Mit einer abwechslungsreichen, ausgewogenen Ernährung kann der tägliche Proteinbedarf eines Menschen problemlos abgedeckt werden. Auf High-Protein-Produkte kann man also bedenkenlos verzichten.

Proteingehalt im Vergleich (Nährwer­te pro 100g / ml Lebensmittel)

  Rote Linsen
(BIO Migros)
High Protein Shake
(Oh! Migros)
Kalorien 336 63
Zucker 1 4,8
Protein 25 8,1
Kohlenhydrate 48 5
Fett 2 1,2
Ballaststoffe 13 0

Die Kombination macht es aus

Proteinprodukte können eine sinnvolle Ergänzung sein. Es lohnt sich aber, Proteine vor allem über natürliche Lebensmittel zu sich zu nehmen. Zum einen hat das den Vorteil, dass wir so auch andere wichtige Nährstoffe zu uns nehmen. Zum anderen kann unser Körper die Proteine so besser aufnehmen. Experten verstehen darunter die «biologische Wertigkeit».

Folgende Kombinationen steigern zum Beispiel die Wertigkeit von Proteinen:

  • Ei und Kartoffel
  • Weizenmehl und Milch
  • Ei und Soja
  • Soja und Reis

Vorteile von Proteinprodukten

  • Für den Muskelaufbau
    Eiweiss-Shakes, Proteinriegel und Co. versprechen einen schnell sichtbaren Muskelaufbau. Jedoch reicht der Konsum solcher Produkte allein nicht aus – ein effektives, regelmässiges Training ist die treibende Kraft. Einen langanhaltenden Mehrwert bieten diese Eiweiss-Produkte also nur bei regelmässigem Sport.
  • Nach dem Leistungssport
    Im Leistungssport und auch für ambitionierte Hobbysportler und Hobbysportlerinnen ist die Regeneration sehr wichtig. Nach einem anstrengenden Training lohnt es sich daher, Proteine zu sich zu nehmen. Vielen Sportlern und Sportlerinnen fällt es nach dem Training leichter, die Proteine in flüssiger Form oder als Riegel zu verzehren – ein Protein-Shake oder ein Proteinriegel macht also Sinn.

Was gegen Protein-Produkte spricht

Lebensmittel mit dem Versprechen «reich an Proteinen» sind häufig stark verarbeitete Lebensmittel und ersetzen keine vollwertige Mahlzeit. Diese enthalten weniger Nährstoffe als natürliche Lebensmittel und sind ungünstig für den Stoffwechsel und die Verdauung. Greift man zu häufig zu verarbeiteten Produkten und verdrängt so den Verzehr von Obst, Nüssen und Gemüse, bleibt die Zufuhr von wichtigen sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen aus.

Achtung Zuckerfalle!

Bei Protein-Drinks ist der oftmals hohe Zuckeranteil problematisch. Bei den folgenden Begriffen sollte man stutzig werden: Glukose, Saccharose, Sirup, Dextrose, Fruktose. Denn diese stehen für Zucker. Gesunde Zucker-Alternativen wie zum Beispiel Erythrit können Abhilfe schaffen.

Proteinüberschuss – auf längere Zeit gesundheits­schädlich

Aminosäuren, Bestandteile von Proteinen, werden im Körper zu Harnstoff abgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Bei Menschen mit Nierenerkrankungen kann ein Überschuss an Aminosäuren zu einer Überlastung der Nierenfunktion führen und gefährlich sein. Menschen, die an einer Lebererkrankung leiden, sollten ebenfalls den Proteinkonsum einschränken. Denn auch da kann ein Proteinüberschuss schädlich sein.

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