Transkranielle Gleich­strom­sti­mulation (tDCS) zur Be­handlung von Depressionen

Venturing: CSS beteiligt sich an Flow Neuroscience

Die transkranielle Gleichstrom­stimulation oder kurz tDCS kommt als alternative Behandlung von Depressionen zum Einsatz. Der grosse Vorteil: Die Therapie kann inzwischen auch zu Hause erfolgen und ist nicht-invasiv. Mehr über die Anwendung sowie Vor- und Nachteile im Beitrag.

Was ist tDCS?

tDCS ist die englische Kurzform für transkranielle Gleichstrom­stimulation und bezeichnet eine Therapiemethode, bei der schwacher Strom bestimmte Hirnareale gezielt anregt. So ist beispielsweise bekannt, dass die Hirnzellen während einer Depression in einer Region des Frontallappens wenig aktiv sind. Die Elektrizität, die diese Zone am Schädel von aussen stimuliert, kann die Neuronen anregen und so zu einer Verbesserung beitragen.

Elektrostimulation bei Depressionen

Eine Therapie mit tDCS wird zurzeit unter anderem als alternative Behandlung von Depressionen breit diskutiert und eingehend erforscht. Sie kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn eine Psychotherapie oder Antidepressiva nicht zum gewünschten Erfolg führen. Auch ein Ersatz der klassischen Therapieformen ist denkbar, wenn eine Angststörung diese verhindert.

Was kann mit tDCS sonst behandelt werden?

Darüber hinaus hat tDCS das Potenzial, bei weiteren psychischen oder neuronalen Erkrankungen Linderung zu verschaffen. Dazu zählen Migräne-Attacken, kognitive Schwierigkeiten nach einer Hirnverletzung oder die Beschwerden von Schmerzpatienten. Inwiefern tDCS in anderen Bereichen als Depressionen wirkt, ist noch weniger gut erforscht.

So funktioniert die Gleichstromstimulation

Die transkranielle Gleichstromstimulation erfolgt nach ärztlicher Anweisung zu Hause oder in einer Klinik. Nachdem zwei Pads am Schädel positioniert wurden, lässt man die Elektrizität von wenigen Milliampere 20 bis 30 Minuten fliessen. Dieser Vorgang wird üblicherweise fünfmal pro Woche wiederholt, anschliessend folgen 2 Tage Pause. Bei den meisten Patientinnen und Patienten zeigen sich nach 3 bis 4 Wochen die Ergebnisse und die Therapie kann sukzessive reduziert werden.

Video: tDCS-Therapie einfach erklärt

Die alternative Therapieform tDCS setzt auf Gehirnstimulation zur Behandlung von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen.

Flow – ein neues Gerät für tDCS

Für die Behandlung mit tDCS gibt es unterschiedliche Geräte. Ein neueres Gerät wird von Flow Neuroscience angeboten und ähnelt von der Form her einem Headset. Eine App steuert die Elektrostimulation und dokumentiert zugleich den Therapieerfolg.

Vor- und Nachteile von tDCS

tDCS ist eine günstige und einfach anwendbare Therapiemethode, die wenige Nebenwirkungen auslöst. Wie wirksam sie im Einzelfall tatsächlich ist und welche Langzeitfolgen eine Behandlung mit sich bringt, ist noch Gegenstand der aktuellen Forschung. In den letzten Jahren gab es auch Studien zur transkraniellen Gleichstromsti­mulation, die auf eine geringe bis mässige antidepressive Wirkung hindeuteten.

Gibt es Nebenwirkungen?

Möglich sind Juckreiz oder Rötungen im Bereich der Elektroden beziehungsweise Pads. Ebenfalls können Kopfschmerzen, Müdigkeit oder unspezifisches Unwohlsein auftreten. Grundsätzlich berichteten Patientinnen und Patienten, die mittels tDCS behandelt wurden, in Studien nicht von wesentlichen Begleiterscheinungen.

Was tDCS bei Depressionen bewirkt

Die Stimulation soll dabei helfen, die in einer Negativitätsspirale gefangenen Gedanken und Gefühle wieder unter Kontrolle zu bringen. Typische Symptome einer Depression – etwa Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrations­schwierigkeiten oder Appetitlosigkeit – werden durch die Aktivierung der Gehirnzellen gelindert. Studienteil­nehmerinnen und -teilnehmer berichteten nach der Therapie darüber hinaus von Stimmungsaufhellungen, einer gesteigerten Leistungsfähigkeit und weniger Angst. Mit den elektrischen Impulsen trickst die Gleichstrom­stimulation das Hirn gewissermassen aus und suggeriert Aktivität, wo (noch) gar keine ist.

Wann von einer Behandlung abgeraten wird

Für Menschen, die ein Implantat im Gehirn oder sonst schon eine Hirn-OP hinter sich haben, ist die Behandlung nicht empfohlen. Ein Herzschrittmacher oder eine Schwangerschaft sind ebenfalls Hindernisse für die Elektrostimulation.

Unterschied zwischen tDCS und rTMS

Neben tDCS gibt es noch andere sogenannte nicht-invasive Hirnstimula­tionstechniken wie die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS). Im Unterschied zu tDCS werden bei rTMS elektrische Magnetfelder erzeugt. Obwohl die Methode eine andere ist, haben beide Therapien das gleiche Ziel: die Hirnzellen im präfrontalen Kortex zu aktivieren.

Was ist rTMS genau?

rTMS gibt es als Behandlungsmethode schon länger als tDCS und ist seit über 10 Jahren als Behandlung für ansonsten therapieresistente Menschen mit einer schweren depressiven Störung zugelassen. tDCS wird breiter angewandt, also auch bei Menschen mit einer leichten bis mittelschweren Depression, die nicht zwingend resistent für Medikamente und Psychotherapie sein müssen. Aufgrund der schwachen Nebenwirkungen gilt die Gleichstromstimulation als interessante Alternative. Ein weiterer Unterschied liegt beim Behandlungsort: rTMS kann nur in einer Klinik durchgeführt werden, während tDCS zu Hause erfolgt.

Einige der analysierten Indikationen wie die Depression können als definitiv wirksam erachtet werden.
Metastudie von Fregni et. al, publiziert durch 'Oxford University Press'

Das sagt die Forschung

Eine Metastudie aus dem Jahr 2020 überprüfte 18 Studien mit insgesamt 930 Patienten. Aufgrund ihrer Analyse erachten die Autoren dieser Metastudie tDCS als Behandlungsmethode gegen Depressionen als wirksam. Damit wurde die Methode auch nach internationalen Richtlinien zur Behandlung von schweren Depressionen als «definitiv wirksam» eingestuft. Im Gegensatz dazu fand die Universitätsklinik Ulm in einer 2023 publizierten Studie keine nachweisbare Wirkung und kommunizierte, dass sie sich weiterhin auf die aufwendigere Methode rTMS stützen werde.

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